Unterlassungserklärung: Hevert gegen Grams und Glaeske

Wie ein renommierter Hersteller naturheilkundlicher Therapeutika sich gegen geschäftsschädigendes Verhalten selbsterklärter »Homöopathiekritiker« wehrt.

Im Mai dieses Jahres hat die Firma Hevert einen längst überfälligen Schritt getan. Unter anderem wurde die besonders aktive Homöopathiekritikerin Natalie Grams per strafbewährter Unterlassungsaufforderung angehalten, zukünftig Aussagen vom Typ »Homöopathie wirkt nicht über den Placeboeffekt hinaus« nicht mehr zu tätigen (1). Der Arzneimittelhersteller hat an verschiedenen Stellen öffentlich einsehbar genau erläutert, warum dieser überfällige Schritt nun in die Tat umgesetzt wurde (2).

Ethnatmed begrüßt dieses Vorgehen ausdrücklich. Grams hat sich in der Vergangenheit immer und immer wieder, unterstützt durch eine kaum nachvollziehbare mediale Präsenz und eine schiere Unzahl von »Skeptikerfans«, mit zweifelhaften Aussagen in Szene gesetzt. Auffallend ist, dass zahlreiche von ihr getätigte Behauptungen als gleichsam »wissenschaftlich belegte« Tatsachen formuliert werden. Beispielhaft wird nun ihre immer und immer wieder gebetsmühlenartig heruntergeleierte Beteuerung - »Homöopathie wirke nicht über den Placeboeffekt hinaus« - mit juristischen Mitteln ins Visier genommen. Meine Ansicht dazu: Sie kann diese Aussage nicht beweisen. Das ist streng naturwissenschaftlich gar nicht möglich. Also handelt es sich um eine persönliche Meinung, die von ihr, wie von so vielen Anderen, regelmäßig als vermeintlich wissenschaftlich bewiesene Aussage öffentlich ins Feld geführt wird. Jedoch:

  • Es ist naturwissenschaftlich nicht möglich, die »Nichtexistenz« eines Phänomens mit letzter Sicherheit zu beweisen. Allenfalls kann nach logischen Gesetzen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Nichtexistenz vermutet werden.  (Das ist jedoch meiner Ansicht nach kein abschließender Beweis.) Für "die Homöopathie", ganz gleich ob klassisch oder komplex, trifft auch Letzteres nach geltendem Wissensstand übrigens auf keinen Fall zu, denn
  • Es gibt ausreichend kleinere Untersuchungen und Studiendesigns, die ganz im Gegenteil zu einem positiven Ergebnis bezüglich der Wirkung homöopathischer Mittel im weitesten Sinne und damit der Realität des homöopathischen Phänomens gekommen sind. Diese zumindest positiven Hinweise können nicht einfach vom Tisch gewischt werden. Auch wenn wir heute noch weit davon entfernt sind, die genauen Hintergründe zu verstehen, muss eines ehrlicherweise attestiert werden: Die reale Existenz homöopathischer Phänomenologie im weitesten Sinne darf heute als gesichert gelten (3).

Wenn Natalie Grams also immer und immer wieder behauptet, »Homöopathie wirke nicht über den Placeboeffekt hinaus«, und dabei den Eindruck erweckt, diese Aussage sei wissenschaftlich bewiesen, dann entspricht das schlicht nicht der Wahrheit. Der Wahrheit, wie sie sich unter Beachtung ALLER - und nicht etwa nur nach eigenem Gutdünken ausgewählter - relevanten Untersuchungsergebnisse der letzten Jahre abbildet. Grams darf ja ihre persönliche Meinung haben. Sie darf sie auch kommunizieren. Sie darf sich jedoch nicht den Anstrich von »Tatsächlichkeit« geben, wo diese doch überhaupt nicht gegeben sein kann. Eine persönliche Meinung ist nicht zwingend eine allgemeinverbindliche Tatsache.

Dennoch erweckt Grams mit exzessiver Penetranz immer wieder genau diesen Tatsächlichkeitsanschein. Und sie tut das bewusst öffentlich. Damit nimmt sie, mit zu unterstellender Akzeptanz, unter anderem Schädigung anderer Personen in Kauf. Solche nämlich, die berufliches und/oder geschäftliches Interesse im thematischen Rahmen »Homöopathie im weitesten Sinne« haben. Zum Beispiel wirkt dieser propagandistische Exzess selbstverständlich schädigend auf eine Firma, die definitionsgemäß Arzneimittel auch (übrigens nicht nur!) homöopathischer Art herstellt und selbstverständlich auch gewinnorientiert vertreibt. Natürlich MUSS eine solche Firma früher oder später den Rechtsweg beschreiten, um derartigem Treiben Einhalt zu gebieten, wenn alles gute Reden der letzten Jahre nichts genutzt hat! Grams ist bisher noch günstig weggekommen. Immerhin hat ihre öffentliche Umtriebigkeit, wie die vieler anderer Pseudoskeptiker auch, bereits erheblichen Schaden angerichtet. Außer Hevert haben wir noch viele andere Firmen, die ebenso homöopathische Arzneimittel herstellen und vertreiben. Wir haben zudem tausende Therapeuten der Berufsgruppen »Arzt« bzw. »Heilpraktiker«, die ebenfalls durch eine unsachgemäße öffentliche Berichterstattung nach Art einer Natalie Grams geschäftlich geschädigt werden können.

Auch Gerd Glaeske hat es getroffen

Übrigens hat Hevert auch den Pharmazeuten und Homöopathiekritiker Gerd Glaeske zur Unterlassung entsprechender Äußerungen aufgefordert. Nach Informationen von Ethnatmed hat dieser die fragliche Unterlassungserklärung - im Gegensatz zu Grams - unterschrieben. Ein interessanter Zug. Wenn Glaeske sich seiner Sache bis dato so sicher war, warum willigt er hier ein? Ich denke, dies wäre nicht der Fall gewesen, wenn er nicht juristisches und wissenschaftliches Glatteis gewittert hätte. Glaeske hat hier scheinbar ein Beweisproblem zu seinen Ungunsten bezüglich der von Hevert angemahnten Aussagen seinerseits gesehen. Dazu ein Zitat aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 31.5.2019, online: »Anders als Grams hat Glaeske jedoch schriftlich zugesichert, die Aussage nicht zu wiederholen. Er habe sich über sich selber geärgert, sagt Glaeske. ›Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Als Tatsachenbehauptung ist es so nicht richtig.‹« (4)

Eigentlich ist der tatsächliche Sachverhalt ja doch ganz einfach und sollte bei etwas Nachdenken klar werden. Nun, gemäß demselben Artikel bleibt Grams (bis dato) an ihrer Öffentlichkeitsbekundung kleben. Aus ihrer Sicht »entsprächen ihre Aussagen dem Stand der Wissenschaft«. Kann man wirklich so hartnäckig einen einfachenUnterschied übersehen? Ein - obendrein nur angeblich - nicht erbringbarer wissenschaftlicher Nachweis homöopathischer Wirksamkeit ist eben nicht gleichbedeutend mit »damit ist bewiesen, dass Homöopathie nicht mehr wirken kann, als Placebo«.

"Shitstorm" und Pressereaktionen

Nachdem das also vollkommen gerechtfertigt erscheinende juristische Vorgehen von Hevert gegen Grams nun öffentlich wurde, konnte in der Folgezeit ein besonderes abscheuliches Phänomen beobachtet werden. Hevert wurde von einer schieren Masse von Menschen attackiert, die insgesamt wohl als »pro Grams eingestellt« beschrieben werden dürfen. Hunderte Diskutanten fühlten sich bemüßigt, etwa auf Heverts Facebookseite negative Kommentare und bei dieser Gelegenheit gleich geschäftsschädigende schlechte Bewertungen zu hinterlassen. Binnen weiniger Tage fiel die Gesamtbewertung des Unternehmens um mehrere Punkte ins Negative. Zahlreiche von den Bewertern getätigte Aussagen dort strotzten nur so vor sogenannter »schwarzer Rethorik«. In modernen sozialen Medien wird dieses Phänomen als »Shitstorm« bezeichnet. Nach meiner Ansicht übrigens ein erklärtes Armutszeugnis unserer Gesellschaftsform par excellence.

In den letzten Jahren haben sich verschiedene Presseorgane als Plattform für unzählige selbsternannte Kritiker zu den Themen »Heilpraktiker, »Naturheilkunde« oder eben auch »Homöopathie« missbrauchen lassen. Auch jetzt, reagierend auf Heverts Vorstoß gegen Grams und Glaeske, wird hier und da erneut ins Horn geblasen.

So publiziert Spiegel Online einen Artikel mit der Überschrift »Globulihersteller Hevert - Pharmafirma geht juristisch gegen Homöopathiekritiker vor« (5). Beachten Sie die Formulierung »Globulihersteller«. Der Ausdruck ist erstens negativ behaftet, entspricht eins zu eins der Art manipulierender oder »schwarzer« Rhetorik, derer sich auch so viele Pseudoskeptiker immer und immer wieder bedienen, und hat damit dort an sich gar nichts zu suchen. Es sei denn, die Schlagzeile soll geeignet sein, negative Assoziationen wach zu rufen. Zweitens ist Hevert kein ausschließlicher »Globulihersteller«. Neben homöopathischen Komplexmitteln zum Einnehmen hat Hevert auch zahlreiche Injektionspräparate, Tabletten und Tropfen im Repertoire. Neben Komplexhomöopathika spielen auch erklärt phytotherapeutische Zubereitungen sowie einige synthetische Wirkstofftherapeutika (etwa das Lokalanästhetikum und hier als Neuraltherapeutikum gedachte Procain) eine große Rolle. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, dürfen selbst entscheiden, ob der schlichtweg abfällig gemeinte Ausdruck »Globulihersteller« hier wirklich etwas in der Schlagzeile zu suchen hat.

Die Skeptiker der GWUP dürfen nicht fehlen

Ein krasseres Beispiel für unsachgemäße, verdrehende öffentliche Berichterstattung liefert allerdings Dr. Florian Aigner, Physiker, »Wissenschaftserklärer« (siehe Personenvorstellung unter (7)) und - welche Überraschung - GWUP-Mitglied, aktuell Vorstandsmitglied der GWUP (6).

In Anbetracht des auf den ersten Blick zwar überzeugend klingenden, letztlich aber vollkommen unsachgemäßen Statements, welches dieser Herr zum Thema erstellt hat (7), sei hier auf einige seiner Aussagen eingegangen.


Zur homöopathischen Studienlage

Ein häufig von Kritikern ins Feld geführtes Argument ist die Tatsache, dass es zahlreiche groß angelegte Studien gibt, die keine »Wirkung über Placeboeffekt hinaus« für die Homöopathie feststellen konnten. Auf der anderen Seite findet sich eine ganze Reihe kleiner Studien und Untersuchungen, die jedoch zu genau gegenteiligen Schlüssen gekommen sind. Wie ist das möglich?

Nun, betrachten wir doch einmal die Hintergründe der Studien, die zu negativen Ergebnissen gekommen sind. Im einfachsten Fall haben diese ein gemeinsames Kennzeichen. Sie bedienen sich eines, etwa für wirkstoffbasierte medikamentöse Therapien klassischen Designkonzeptes, nämlich dem der randomisierten, doppeltverblindeten Vorgehensweise. Das bedeutet einfach skizziert, dass

  • sagen wir eine signifikante Zahl an Patienten mit »demselben« Krankheitsbild oder etwa Symptom eingebunden wird
  • einem zufällig (»randomisiert«) ausgewählten Teil dieser Patienten ein tatsächliches Medikament verabreicht wird, während der anderen Hälfte ein genau gleich aussehendes Scheinmedikament ohne Wirkstoff verabreicht wird
  • weder also der behandelte Patient, noch die behandelnden Ärzte wissen, welchem Probanden nun Placebo, welchem hingegen ein tatsächliches Medikament verabreicht wurde (»doppelt verblindet«: den Patienten und den Arzt betreffend)
  • es wird in einer Reihe komplizierter Prozeduren jeweils der Status Quo vor und nach Verabreichung der Medikamente festgestellt und dokumentiert, so dass sich im Nachhinein mehr oder weniger deutlich bestimmen lässt, ob ein Wirkstoff gegenüber dem verabreichten Scheinmedikament in der Kontrollgruppe tatsächlich signifikante Wirkung entfalten kann

Das Problem: Für Medikamente, deren Wirkmechanismus auf einem definierten Wirkstoff beruht, funktioniert dieses Studiendesign hervorragend. So lassen sich zahlreiche Kopfschmerzformen etwa durch Verabreichung einer ausreichenden Menge Acetylsalicylsäure (ASS) günstig beeinflussen. Der Hintergrund hierfür ist ein Phänomen, welches als »Prostaglandinsynthesehemmung« bezeichnet wird. Prostaglandine sind vereinfacht formuliert »Entzündungsmediatoren«. Botenstoffe, die im Organismus freigesetzt werden und u.a. zur Aktivierung von Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) führen. Wird genau diese Freisetzung von Prostaglandinen gehemmt - was eben einen Teil der Wirkung der ASS im Organismus darstellt - lindert dies u.a. das Schmerzerleben insofern, als dass weniger Schmerzrezeptoren aktiviert werden. Hier spielt es also zunächst gar keine Rolle, welcher Art die tatsächliche Ursache der Schmerzentstehung ist. Die Hemmung der Prostaglandinsynthese wird erwartungsgemäß in mal mehr, mal weniger ausgeprägtem Maß auftreten. Dies gilt es in der Doppelblindstudie zu beweisen. Daraus können Aussagen abgeleitet werden, wie:

  • »zeigt signifikante Wirkung im Vergleich mit Placebo«
  • oder eben auch »wirkt nicht über Placebo hinaus«

Homöopathie, weder im klassischen Gewand, noch moderne Formen, etwa »Komplexmittelhomöopathie«, funktioniert NICHT nach dem vergleichsweise einfachen Schlüssel-Schloss-Prinzip. Schon die Grundkonzepte zur Vorgehensweise der Homöopathie beschreiben dies in aller Deutlichkeit. Einfach ausgedrückt: Zwanzig Patienten mit vordergründig den »gleichen« Erkrankungen oder bleiben wir beim Beispiel, den »gleichen Kopfschmerzen« können nach Annahme homöopathischer Theorie jeweils vollkommen unterschiedliche homöopathische Arzneimittelbilder benötigen. Im Extremfall bedeutet das konsequent: Zwanzig Patienten mit den »selben« Symptomen müssen zwingend jeweils individuell ausgewählte homöopathische Mittel bekommen. Im Extremfall muss der behandelnde Therapeut zwanzig unterschiedliche Arzneimittel verschreiben.

Eine »Studie«, die versucht, diesem offensichtlich individuellen Verschreibungsprozess die gleichen Grundannahmen als etwa für wirkstofforientierte Medikamente zu Grunde zu legen, muss natürlich schon im Ansatz falsch sein. Genau das wird in vielen Untersuchungen jedoch getan. Es ist egal, ob es sich um zwanzig, einhundert oder tausend Studienteilnehmer handelt. Es ist ebenso unerheblich, wie »gleich« die symptomatischen Erscheinungen dieser Patienten zu sein scheinen. Gebe ich all diesen Patienten etwa Hypericum C30 als Arzneimittel, dann kann auch keine Wirkung erwartet werden. Im Gegenteil: Nach den homöopathischen Regelwerken muss das Arzneimittel für jeden dieser Patienten individuell bestimmt werden.

Fassen wir zusammen: Für klassische randomisierte Doppelblindstudien muss der geforderte homöopathische Auswahlprozess ignoriert werden. Ein Arzneimittel wird anders gesagt, aus dem theoretischen Überbau herausgerissen, es werden für dieses Mittel stattdessen dieselben Grundannahmen zwangsverordnet, als dies etwa für tatsächlich wirkstofforientierte Medikamente gilt, die dann im Organismus definierte und immer gleiche Wirkungen auslösen. Das trifft für homöopathische Arzneimittel jedoch schon der Grundannahme nach nicht zu! Was schon sehr klar aus den homöopathischen Regelwerken abgeleitet werden kann. Eine Studie, die dennoch derart vorgeht, ist mit anderen Worten das Papier respektive die Datenspeicher nicht wert, welches/welche für sie verschwendet wurde. Es ist unmöglich, auf diesem Weg eine echte Feststellung zu treffen, ob homöopathische Therapien der Placebokontrollgruppe überlegen sind, oder eben nicht. Übrigens spielt Masse hier keine Rolle. Tausend Studien sind zwar viel, wenn sie jedoch offensichtlichst falsch konzeptioniert sind, dann sind es eben dennoch tausend falsche Studien. Übrigens haben auch sogenannte Metastudien, für die eine große Menge vorausgegangener Studien ausgesucht werden und deren Ergebnis im Gesamtpaket beurteilt wird, selbstverständlich keine Aussagekraft, wenn das Gros der ausgewählten Studien schlichtweg von falschen Grundannahmen ausgegangen ist.

Sie werden es schon erraten haben, aber dennoch als kurzes Schlaglicht: Es gibt zum Glück eine Reihe kleinerer Studien (8), die sich tatsächlich bemüht haben, dem homöopathischen Regelwerk Rechnung zu tragen. Das geht. Nur eben nicht nach dem klassischen Vorgehen der randomisierten Doppelblindstudie. Das Studiendesign muss stattdessen angepasst werden an die Forderungen echter Homöopathie. Interessanterweise sind es genau solche kleinen Untersuchungen, die sich um Einhaltung homöopathischer Regelwerke bemüht haben - und überraschenderweise zu positiven Ergebnissen gekommen sind. Wir wissen natürlich dadurch nicht, WIE es funktioniert. Wir bekommen dadurch aber deutliche Hinweise, DASS es funktioniert. Das ist der Grund für meine obige Aussage: »Das homöopathische Phänomen darf heute als gesichert angenommen werden«.

Übrigens ist es nun nach meiner Meinung nicht etwa Aufgabe »der Homöopathie«, »der Naturheilkunde« oder z.B. gar »der Heilpraktiker«, das »Wie« zu klären. Das ist nun in der Tat Sache der Naturwissenschaft. Die korrekte Vorgehensweise jetzt wäre:

  • Ein beliebiges Phänomen wird festgestellt (was bereits getan wurde).
  • Im nächsten Schritt muss eine wissenschaftliche Theorie entwickelt werden, die das Phänomen erklären könnte (ausstehend).
  • Erst dann kann die Theorie im naturwissenschaftlichen Experiment geprüft werden: Indem experimentelle Konzepte entwickelt werden, die geeignet sind, die Theorie entweder zu verifizieren, oder eben zu falsifizieren. Wobei Letzteres keineswegs meint, dass das - schließlich ja bei korrekter Durchführung immer wieder beobachtbare! - Phänomen selbst dann wiederum negiert werden könnte, sondern eben nur, dass die erklärende Theorie höchstwahrscheinlich nicht richtig ist.

»Wissenschaft kann man nicht verklagen« lautet die Überschrift seines Artikels zum Thema »Hevert gegen Grams/Glaeske«. Nun, es wurde eine strafbewährte Unterlassung der Tätigung wissenschaftlich nicht haltbarer Aussagen per Unterlassungserklärung angefordert. Das ist ein erheblicher Unterschied zur indirekten aber letztlich nur theatralisch konstruierten Unterstellung »Wissenschaft verklagen«, wie Aigner das hier formuliert. Nur wenig Recherche und etwas Nachdenken hätte den Umstand offenbart.

»Ein deutscher Homöopathie-Hersteller versucht, durch Abmahnungen Homöopathie-Kritiker zum Schweigen zu bringen.« lautet dann die Unterschrift im besagten Artikel. Nein. Ein deutscher »Homöopathie-Hersteller« nutzt den Rechtsweg im Gegenteil vollkommen ordnungsgemäß, um die Tätigung wissenschaftlich nicht haltbarer Aussagen in der Öffentlichkeit zukünftig zu unterlassen. Er fordert richtigerweise ein, dass persönliche Meinungen öffentlich nicht als angebliche Tatsachen dargestellt werden sollen. Von einem generellen »zum Schweigen bringen« kann hingegen keine Rede sein.

»... Wissenschaftliche Fakten können nicht per Anwaltsbrief geklärt oder vor Gericht ausverhandelt werden. Sie sind wie sie sind – ob sie uns, einer Firma oder einer politischen Partei passen oder nicht, spielt keine Rolle. ...« formuliert Aigner im weiteren Textverlauf. Die Aussage von Grams, um die sich die Abmahnung in diesem Fall dreht, ist jedoch kein »wissenschaftlicher Fakt«, wie bereits dargestellt wurde. Alarmierend finde ich hingegen, dass ein Physiker nicht in der Lage ist, zwischen einer wissenschaftlichen Faktenlage und auf persönlichem Glauben  beruhender Meinung zu unterscheiden.

»Mit derselben Logik könnten ... Tabak-Konzerne Lungenfachärzte zum Schweigen bringen. Das wäre ein Rückfall in eine voraufklärerische Gesellschaftsordnung...« moniert Aigner weiter. Nein. Diese Vergleiche zeigen lediglich, dass er das Kernproblem im aktuellen Fall offensichtlich nicht verstanden hat. WENN es nicht beweisbar wäre, dass Tabakrauchen z.B. die Atemwege schädigt, DANN freilich könnten Tabakfirmen natürlich auch gegen entsprechende Behauptungen mit juristischen Mitteln vorgehen. Diese Tatsache ist aber naturwissenschaftlich zweifelsfrei bewiesen. Für die Behauptung »Homöopathie wirke nicht über den Placeboeffekt hinaus« trifft das hingegen nicht zu.

»... Für alle wissenschaftlich-rational denkenden Menschen ist diese Geschichte jedenfalls ein Warnsignal. In einer Zeit der alternativen Fakten brauchen wir mehr Wissenschaft in der öffentlichen Diskussion, nicht weniger. ...« - unter den Umständen möchte ich Herrn Aigner dringend empfehlen, noch mal neu zu denken. Ein "Warnsignal" sollte es sein, wenn ein erfolgreicher Hochschulabsolvent, damit eine Person höheren Bildungsgrades, nicht in der Lage ist, Fakten von Glauben, persönliche Meinungen von Tatsachen zu unterscheiden. Was hier der Fall zu sein scheint, zumindest zeichnet der Artikel nach meiner Einschätzung solch ein bedauernswertes Bild.

Fazit

Das Thema »Homöopathie« ist, wie wir wissen, nur eines von vielen, das seit geraumer Zeit in Presse und sozialen Medien rauf und runter gehetzt wird. Andere Themenbereiche sind verschiedene Unterrubriken der gesamten Naturheilkunde, oder eben zum Beispiel auch des Heilpraktikerberufes im Speziellen. All diesen medialen Hetzaktionen liegen einige Gemeinsamkeiten zu Grunde:

  • Argumentketten werden ähnlich »tatsachenanscheinlich« aufgebaut, als dies in der beispielhaft angegriffenen Aussage von Grams der Fall ist. Bei genauerer Untersuchung zeigt sich nur all zu oft, dass hinter angeblichen Tatsachen in Wirklichkeit nur jede Menge persönlicher Meinungen stecken.
  • Derartige Behauptungen strotzen oft genug vor Aussagen, die offensichtlichst dem Bereich dunkelster und schwärzester Rhetorik angehören. Ein Phänomen, welches teilweise durch Presse und Medien akzeptiert wird, sehr viel krasser allerdings in verschiedensten sozialen Medien durch zahlreiche Mitdiskutanten umgesetzt wird.
  • Es wird mit Regelmäßigkeit Schaden angerichtet. Die öffentliche Meinungsbildung bezüglich Naturheilkunde im Allgemeinen wie zum Beispiel betreffend die Heilpraktikerschaft im Besonderen wird absichtlich, gezielt und mit Vehemenz zum Negativen beeinflusst. Das ist selbstverständlich auch erklärt berufs- und geschäftsschädigendes Verhalten, nicht nur gegenüber betroffenen Arzneimittelherstellern. Nein. Wenn unreflektiert eigene Meinungen als angebliche Tatsachen öffentlich dargestellt werden, wenn dafür soziale Medien und offizielle Presseorgane massiv missbraucht werden, dann ist das als absichtlicher Angriff auch auf die monetären Lebensgrundlagen tausender Menschen zu werten, die in Deutschland die Berufsbezeichnung Heilpraktiker führen.

"Homöopathie wirkt nicht über Placebo hinaus" - diese Aussage kann zum derzeitigen Stand der Forschung allenfalls als persönliche Glaubensfrage stehen gelassen werden. Es spielt hier im Übrigen keine Rolle, dass diese  persönliche Überzeugung von tausenden Menschen geteilt wird. Würde es sich anders verhalten, dann könnte man der selben Logik nach die Existenz Gottes als bewiesen ansehen. Schließlich glauben offensichtlich millionen und abermillionen von Menschen an dieses Phänomen. Bezüglich der tatsächlichen Realität verifiziert oder falsifiziert das jedoch gar nichts. Wir müssen hier stattdessen mit Ungewissheit leben. Das Selbe gilt natürlich für den Umkehrschluss. Ebenso abermillionen von Menschen glauben nicht, dass Gott existiert. Es wäre lächerlich, daraus einen Beweis für die Nichtexistenz Gottes ableiten zu wollen. Natalie Grams zum Beispiel glaubt offensichtlich nicht, dass Homöopathie funktionieren kann. Kann das so schwer sein, hier wenigstens bei der Wahrheit zu bleiben, die schlicht lautet: "Ich glaube es nicht"(9)?

Es bleibt zu hoffen, das noch viel mehr Betroffene zukünftig den Rechtsweg nutzen werden, um sich gegen unsachgemäße Manipulationsversuche öffentlicher Meinung zur Wehr zu setzen. Wer es in Kauf nimmt, dass andere Personen durch nun mal unkorrekte öffentliche Äußerungen erheblich beruflich, persönlich und geschäftlich geschädigt werden, muss dafür auch die Konsequenzen tragen.


Quellenangaben

(1) https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/glaeske-und-grams-hevert-mahnt-homoeopathie-kritiker-ab-shitstorm/

(2) https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/06/04/registrierte-vs-zugelassene-homoeopathie-hevert-legt-wert-auf-unterscheidung

(3) https://www.homoeopathie-online.info/category/studien/
Zitat: »Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebo-kontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung potenzierter Arzneimittel.«

(4) https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/natalie-grams-homoeopathie-hevert-unterlassungserklaerung-1.4469545

(5) www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/homoeopathie-pharmahersteller-hevert-geht-juristisch-gegen-kritiker-vor-a-1270575.html

(6) www.gwup.org/who-is-who/1072-aigner-dr-florian

(7) futurezone.at/amp/meinung/wissenschaft-kann-man-nicht-verklagen/400516717

(8)

- a) https://www.homoeopathie-online.info/category/studien/
Zitat: »Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebo-kontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung potenzierter Arzneimittel.«

- b) https://www.homoeopathie-online.info/homoeopathie-studie-zur-schmerzlinderung-bei-gelenksblutung-von-haemophilie-patienten/

- c) https://www.dzvhae.de/die-studien-zeigen-homoeopathie-ist-wirksam/

- d) http://www.hevert.com/market-de/de/arzneimittel/homoeopathie-forschung
Zitat: »Kritiker behaupten oft, es gäbe keine positiven klinischen Studien zur Homöopathie, was aber nicht der Sachlage entspricht: Mittlerweile existieren circa 300 klinische Studien, von denen eine Vielzahl positiv verlief und die die Wirksamkeit der untersuchten homöopathischen Arzneimittel belegen.«

(9)   Etwas nicht zu glauben - diese  Form des Glaubens bringt nach meiner Ansicht im Übrigen besonders  gut verborgene mentale Fallstricke hervor.  Gerade die Naturheilkunde im allgemeinsten Sinne betreffend,  oder eben die Homöopathie, etc:  Wir  können in unseren Tagen beinahe tagtäglich feststellen, dass es scheinbar sehr viele Menschen gibt, die an dies oder das Phänomen nicht glauben können.  Heute missbräuchlich wird für diese sich selbst gut verbergende  Glaubenshaltung der Begriff des "Skeptikers" geführt. Als solcher darf man sich nun viel aufgeklärter, gebildeter und reifer fühlen, als der an ein beliebiges Phänomen glaubende Mitmensch. Doch das ist kein echter Skeptizismus. Der enthält sich nämlich im Gegenteil peinlichst einer persönlichen Meinungsbildung.  Das ist die Grundhaltung echter Wissenschaftlichkeit. Die korrekte Bezeichnung für einen Menschen, der sich auf Grund eigener Glaubensüberzeugung nicht nur eigene Meinung bildet, sondern diese sogar für gesicherte Tatsache hält, lautet nach dem amerikanischen Soziologen  Marcello Truzzi hingegen "Pseudoskeptiker".  Es scheint bei diesen Menschen so zu sein, dass gemeinsam mit der persönlichen Meinungsbildung eine starke Emotionalität bezüglich der eigenen Glaubenshaltung entsteht. Das  ist keineswegs überraschend, wir kennen das auch von religiösen Glaubensformen zur Genüge. (Pseudo)Skeptizismus liegt solchen Menschen oft "am Herzen", bildet eine tief wurzelnde Ideologie. An dieser Stelle kann man vielleicht die so oft verwendete übergriffige und gewaltbereite Kommunikationsform besser verstehen, derer sich Pseudoskeptiker so oft  in der Öffentlichkeit bedienen: sogenannte schwarze Rhetorik. Exzessive Verwendung schwarzer Rhetorik im Rahmen "wissenschaftlicher Diskussionen"  ist nach meiner Erfahrung fast immer ein Hinweis, dass  Sie es möglicherweise mit einem Pseudoskeptiker zu tun haben.